Historisches Museum im Marstall
Historisches Museum im Marstall

Ferdinand II. von Fürstenberg

Ein westfälischer Fürstbischof von europäischer Bedeutung
Ferdinand II. von Fürstenberg

17.09.2004 - 09.01.2005

Anlässlich der Fertigstellung des rekonstruierten Barockaltares in der von Ferdinand II. von Fürstenberg (1626 -1683) gestifteten Universitäts- und Marktkirche, St. Xaver, wird eine Ausstellung über diesen bedeutenden gelehrten und europäisch orientierten Paderborner Fürstbischof im Historischen Museum im Marstall in Schloß Neuhaus stattfinden.

Die Lobredner seiner Zeit priesen Ferdinand von Fürstenberg als Friedensfürst, westfälischen Trajan und neuen Augustus. In der Tat suchte er seine beiden Fürstentümer, die sich von der Weser bis an den Rhein erstreckten und bis an die Nordsee grenzten, durch gezielte Naturalitätspolitik aus allen größeren Konflikten herauszuhalten. Diesen Fürstbischof von Paderborn (1661-1683) und Münster (zusätzlich ab 1678) kennzeichnet aber nicht nur ein politisches, sondern auch ein kulturelles und kirchlich-pastorales Profil. Nicht von ungefähr sah man in ihm ebenso den Hirten und Seelsorger im Sinne der erneuerten Frömmigkeit der Katholischen Reform - und so verstand er sich auch selbst. Als Dichter, Historiker und Mäzen ist er nicht nur den Kennern der Geschichte Westfalens noch heute im Bewusstsein. Seine Kunst- und Kirchenstiftungen sind aus der westfälischen Kunstlandschaft nicht wegzudenken - in Paderborn sind die Franziskaner-, die ehemalige Jesuiten- und die Kapuzinerkirche wichtige Akzent im Stadtbild.

Die Ausstellung widmet sich den verschieden Dimensionen von Ferdinands Wirken. Als Exponate können erstmals zum größten Teil noch nie gezeigte Objekte gezeigt werden, wie Originalbriefe, Korrespondenzen und Akten aus dem persönlichen Nachlass Ferdinands, aber auch bisher unbekannte Möbel, Gemälde, Grafiken und Gläser, die aus dem Besitz von Ferdinand stammen oder aus dessen Umfeld. Dadurch wird das Wirken dieser bedeutenden Persönlichkeit »begreifbarer« und anschaulicher.

In der Sonderausstellung im Marstall und in der Sammlung Nachtmann werden ausgewählte Aspekte Ferdinands dargestellt aus folgenden Bereichen:
- Wo ist eine virtuelle Rekonstruktion eine sinnvolle Alternative?
- Biographisches
- Ferdinand als Bischof von Paderborn und Münster
- Barocke Präsentation (Autographen, Skulpturen, Gemälde etc.)
- Das gelehrte Beziehungsnetz Ferdinands
- Münzwesen und Münzprägung in Neuhaus
- Ferdinands Bibliothek.
- Die Residenz Neuhaus zur Zeit Ferdinands
- Hofordnung und höfische Tischkultur in Neuhaus

Das gelehrte Beziehungsnetz Ferdinands und der Anschluss von Neuhaus an die Welt der Wissenschaft (u.a. Nikolaus Schaten, Niels Stensen, Jean Bolland, Agostino Favoriti) stellen dabei einen besonderen lokalen interessanten Ausstellungsschwerpunkt dar. Denn es gibt es erstmals den Beweis in Form einer Wirtshausrechung aus Neuhaus, dass Gottfried Wilhelm Leibniz tatsächlich 1681 in Neuhaus zu Gast war und Ferdinand persönlich besuchte. Es ist des Öfteren darüber nachgedacht worden, ob der letzte deutsche Universalgelehrte, auch tatsächlich mit Ferdinand von Fürstenberg in Neuhaus zu Gesprächen zusammen gekommen ist. So wurde der Briefwechsel zwischen den beiden als Beleg für derartige persönliche Kontakte herangezogen. Ist der erste Besuch aus den Briefen zu belegen, kann jetzt für einen zweiten Aufenthalt ein direkter Beweis erbracht werden. Diese Originalrechnungen und Briefe werden erstmals im Marstall gezeigt neben zahlreichen zeitgenössischen Exponaten aus Archiven, Bibliotheken und Museen Westfalens. Mit diesen historischen Zeugnissen wird das Wirken dieses bedeutenden Fürstbischofs veranschaulicht, der als einen der interessantesten Gestalten des barocken Geistesgeschichte Westfalens und als einen wichtigen Vertreter der Reichskirche gilt.
Die Residenz Neuhaus zur Zeit Ferdinands wird in der Ausstellung auch besonders hervorgehoben. Denn nach den jetzt erforschten Inventaren können nun auch die Schlossräume mit Ihren Funktionen und Ausstattungen rekonstruiert werden. Veranschaulicht wird das höfische Leben durch kostbare Glaspokale aus dem Westfälischen Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte in Münster, dem Kreismuseum in der Wewelsburg, aus Privatbesitz und aus der Sammlung Nachtmann.
Ebenso werden wichtige Aspekte Ferdinands hinsichtlich seiner Funktion als Bischof von Münster vor- und ausgestellt, wobei erstmals unbekannte Objekte, wie Pläne, Gemälde und Schriftstücke präsentiert und auch militärische Exponate dieses friedliebenden Fürstbischofs ausgestellt werden, der seine Bistümer Paderborn und Münster geschickt aus den Kriegswirren des 17. Jahrhunderts heraushalten konnte und als Friedensfürst in die Geschichte einging.

Begleitbuch zur Ausstellung
Zur Ausstellung erscheint ein umfassender Sammelband in dem mehr als 20 Historiker, Theologen, Philologen und Denkmalpfleger das Leben und Wirken Ferdinands von Fürstenberg erläutern. Seine Lebensgeschichte, sein politisches Wirken als Landesherr von zwei Fürstentümern und sein Einsatz als Bischof zur Erneuerung des kirchlichen Lebens werden ebenso dargestellt wie seine Maßnahmen zur Förderung von Kunst und Wissenschaft.

Die Ausstellung und die Herausgabe des Buches wurden gefördert vom Förderkreis Historisches Museum im Marstall.