Historisches Museum im Marstall
Historisches Museum im Marstall

Die Lichtgewänder einer Kathedrale

am Beispiel des Paderborner Domes

11.09.2011 - 08.01.2012
Fenster von Nikolaus Bette
Fenster von Nikolaus Bette im Langhaus

Von der Glasmalerei geht eine besondere Faszination aus. Zweifellos ist die mittelalterliche Glasmalerei außerordentlich und  unvergleichlich in ihrer Fähigkeit das natürliche Licht zur künstlerischen Ausformung zu nutzen. Denn in keiner anderen Malereigattung konnten Fläche, Linie, Farbe und Licht so dargestellt werden, wie es der Glasmalerei mit scheinbar so einfachen Mitteln wie Farbgläsern, Bleiruten und Schwarzlotzeichnung gelang und die somit zum hervorragenden Medium der mittelalterlichen Bilderwelt wurde.

Meist verbindet man die Glasmalerei mit großen Kirchenräumen, die ihre ursprüngliche Farbverglasung scheinbar lückenlos bewahrt haben. Aber nur in seltenen Fällen, wie den Kathedralen von Chartres und Sevilla ist dieses wirklich der Fall. Gerade die Verglasung von Kirchenräumen unterliegt dem Zeitgeist. Zu allen Zeiten wurden Verglasungen der Mode entsprechend ausgetauscht oder verändert.

Licht ist ein ebenso grundlegendes wie symbolisch aufgeladenes Phänomen der sinnlich erfahrbaren Welt. Auch in der Architektur ist es die Grundvoraussetzung jeder visuell räumlichen Erfahrung: Es ermöglicht Orientierung, kann die Funktionalität bestimmen, die Raumwahrnehmung nachhaltig prägen und als Energieträger das Raumklima erheblich beeinflussen.
Der Einsatz von Licht zur Gestaltung und zur bewussten Inszenierung von räumlichen Effekten spielte auch beim Paderborner Dom seit jeher eine bedeutende Rolle.

Fenster von Hermann Gottfried
Die Fenster von Hermann Gottfried im Hasenkamp

Die Ausstellung und das Domforschungsprojekt gehen in diesem Zusammenhang folgenden Fragen nach:

  • Gibt es Kontinuität oder Brüchen zwischen den verschiedenen Epochen in Bezug auf den Umgang mit Beleuchtung und Licht?
  • Wie hat man sich diese verschiedenen Verglasungen vorzustellen?
  • Welche Bedeutung haben diese auf die Lichtführung?
  • Welche Wirkung hat die Verglasung auf Besucher und Liturgie?
  • Was waren die architektonischen Voraussetzungen?
  • Wie wurden die Fenster hergestellt?

Die Ergebnisse werden in der Ausstellung mit Exponaten und Animationen sichtbar gemacht.

Fenster von Wilhelm Buschulte
Fenster von Wilhelm Buschulte im Westchor

Aufgezeigt wird auch der derzeitige Bestand der Domfenster, Künstlersprachen und die angewandten Techniken. Neben mehreren Ausgrabungsfunden aus den verschiedensten europäischen Zusammenhängen (u.a. Saint Denis, in Frankreich und dem UNESCO Welterbe kloster St. Johann Müstair, Schweiz), welche die einzigen Belege für die früh- und hochmittelalterliche Fensterverglasung darstellen, werden weitere Funde und Fensterausschnitte gezeigt. Darunter Exponate, die vollständige Malerzyklen und figürliche mit Schwarzlot gezeichnete Figuren zeigen, die am besten die Entwicklung der Glasmalerei seit ihren Anfängen  bis zu den voll ausgebildeten Bildzyklen des 13. Jahrhunderts darstellen. Außerdem geben weitere Leihgaben Einblicke in die Glasmalerei der Renaissance, des Barock und des Historismus, wie sie für Verglasungen und Lichtgestaltungen des Paderborner Domes vorstellbar sind.

Veranstalter der Ausstellung sind das Historische Museum im Marstall, die Glasmalerei Peters und das Westfälische Glasforum. Darüber hinaus unterstützen die Erzdiözese Paderborn und der Landschaftsverband Westfalen Lippe das Projekt, insbesondere durch die Bereitstellung von Fachwissenschaftlern zur Durchführung des seit 2007 laufenden interdisziplinären Forschungsprojektes.
Im Frühjahr 2012 schließt das Forschungsprojekt mit der Herausgabe einer umfangreich bebilderten und illustrierten Dokumentation: "Lichtgewänder - Raum, Licht und Farbe im Hohen Dom zu Paderborn vom Mittelalter bis heute" ab [mehr]

Die Ausstellung und das Forschungsprojekt wurden gefördert mit Unterstützung des Förderkreis Historisches Museum im Marstall.

Zur Ausstellung finden Workshops, Führungen, Vorträge, Kinderprogramm und Vorführungen statt, die auch in der Tagespresse bekannt gegeben werden.
Zum Begleitprogramm [mehr]

Eröffnung der Ausstellung: 11. September, 11:00 Uhr

Eintritt 2,50 €
Ermäßigter Eintritt 1,50 €
Eintritt mit Führung 5,00 €
Kinderprogramm 1,00 €
Der Eintritt für Mitglieder des Förderkreises ist frei.