Historisches Museum im Marstall
Historisches Museum im Marstall

Der Sammler Nachtmann

Die Neugierde, die Lust zum Suchen und das Talent zum Finden waren ihm wahrscheinlich schon in die Wiege gelegt worden. Kaum, dass der in Düsseldorf 1935 geborene Hans Joachim Nachtmann in die Fahrradpedale treten konnte, erkundete er die alten römischen Stätten im Rheinland und begann historische Funde aus dieser Zeit zu sammeln, Gläser, Keramiken und Münzen. Die Leidenschaft war geweckt, sie ließ ihn nicht mehr los.

Von Anfang an wollte er aber nicht nur sammeln, sondern möglichst alles auch über die Dinge wissen, die er zusammentrug. Früh nahm er Kontakt zu Museen auf, und die erkannten rasch seine Begabung. Mit dem Restaurator des Hetjen Museums konnte er an Ausgrabungen in der Düsseldorfer Altstadt teilnehmen, und schon 1962 stellte er seine Sammelstücke beim Henkel-Konzern aus.

Foto von Nachtmann
In den Jahren 1961 bis 1965 studierte Hans Joachim Nachtmann an der Düsseldorfer Werkkunstschule. Was er dort über Stilkunde und Architektur lernte, machte ihn auf Ägypten neugierig. Eine Reise per Motorrad durch das Land der Pharaonen 1963 wurde ihm zum Schlüsselerlebnis. Seit dem faszinierte ihn die Kulturgeschichte der benachbarten Wüstenvölker und besuchte immer wieder die Saharaländer. Schier unglaubliche Mengen an Fossilien, Werkzeugen Schmuck- und Kulturgegenständen, bis zurück zur Steinzeit, hat er dort gefunden, getauscht und schließlich katalogisiert. Hans - Joachim Nachtmann verfügt über eine profunde Kenntnis seines Sammlungsgebietes und weiß darüber Spannendes zu berichten.

Sein Beruf führt Hans Joachim Nachtmann 1966 nach Paderborn. Ein Jahr später gründete er den Münzverein Paderborn und ist seitdem dessen Vorsitzender. Münzsammler können sich dort auch kompetenten Rat holen und ihre Stücke einordnen lassen.
Im Sommer 1971 organisierte er gemeinsam mit der Volksbank Paderborn eine Ausstellung römischer Münzen und Kunsthandwerk aus dieser Zeit. Anlässlich des Katharinenmarkts in Delbrück bereitete er ein ähnliches Thema für die dortige Stadtsparkasse auf und 1983 für das Tabakmuseum in Bünde.

Im Schlossgraben von Schloß Neuhaus fand er 1980 zufällig den Fußteil eines Topfes aus dem 15. Jahrhundert. Das löste 13 Jahre lang Ausgrabungen in der Gräfte aus. Bis 1993 kamen dort hauptsächlich Scherben zutage, die insgesamt 140 Kisten füllten. Nachtmann hat sie alle gesichtet, sortiert, zum größten Teil selbst restauriert und 1994 dem Historischen Museum im Marstall übergeben.

1996 gab es eine umfangreiche Ausstellung von Schank- und Trinkgefäßen aus vier Jahrtausenden im Marstall Museum von Schloß Neuhaus. Danach wanderte sie für viele Monate in das Museum der Glashütte Süßmuth in Immenhausen.

1998 folgte die Ausstellung über die Paderborner Fürstbischöfe von der Renaissance bis zum Spätbarock, die an mehreren Orten gezeigt wurde.
Es ist der Initiative von Hans - Joachim Nachtmann zu verdanken, dass diese Ausstellung heute das kulturelle Angebot im Hochstift Paderborn bereichert.