Lernstatt
Lernstatt Paderborn

Das Konzept "Lernstatt"

Der Begriff Lernstatt verweist in zweifacher Hinsicht auf eine Strategie, die dem vorherrschenden Verständnis einer Virtualisierung der Bildung zuwiderläuft:
 
Zum einen geht es darum, Lernen vorrangig und zuerst als einen sozialen Lernprozess zu begreifen, der durch individuelle Lern- und Arbeitsphasen unterbrochen wird. Konsequenterweise sollen deshalb auch alle Formen des kooperativen und individuellen Lernens zusammen erschlossen und unterstützt werden. Es geht also nicht darum, die so viel zitierte Zeit- und Ortsunabhängigkeit digitaler Medien zu nutzen, um soziale Lernformen (Präsenzunterricht) durch vermehrte individuelle Lernprozesse zu verdrängen. Vor allem im schulischen Bereich gilt auch im Zeitalter digitaler Medien der Satz, dass Stätten des Lernens Stätten der Begegnung sind. Begegnung bedeutet hier Austausch und Interaktion zwischen Menschen in vielfältigen Formen und Arrangements, die von der Arbeit in der Klasse über Leistungskurse und Arbeitsgemeinschaften bis hin zu Fachgruppenarbeit und schulübergreifenden Projektgruppen von Lehrenden und Schülern reichen. Interaktion findet zwischen Menschen, nicht zwischen Menschen und Maschinen statt. Der Gebrauch von Medien ist ein wesentlicher Anteil zwischenmenschlicher Interaktion, und dient der Kommunikation, Bearbeitung, Strukturierung, Anordnung, Darstellung, Aufbewahrung, Aufzeichnung oder auch Präsentation von Sachverhalten und Ereignissen.
 
Zum anderen geht es darum, den alltäglichen Umgang mit digitalen Medien auf konstruktive Weise voranzutreiben, mit dem Ziel, sowohl Lehrenden als auch Lernenden die Arbeit zu erleichtern. Das erfordert die Möglichkeit, sich nicht nur hochwertige, mit Autorensystemen vorfabrizierte digitale Konserven klickend erschließen zu können (der Computer als Lesemaschine), sondern vor allem auch, eigene Materialien produzieren zu können, sie zu arrangieren und mit anderen Materialien zu verknüpfen und schließlich sie anderen Personen zu übermitteln und gemeinsam mit ihnen zu bearbeiten (der Computer als Schreibmaschine). Die isolierte Einzelnutzung von Lernsoftware muss über eine durchgängige und alltagstaugliche Infrastruktur mit der eigenständigen Produktion und Verwaltung von Lernmaterialien und Werkzeugen verbunden werden. Damit wird zugleich der Lernraum Schule erweitert.

Es geht also nicht um die Virtualisierung der Bildung, d.h. das Auflösen institutioneller Strukturen oder zeitlich und räumlich gebundener personaler Interaktionsformen zugunsten netzgestützter Lernaktivitäten. Vielmehr gilt es, alle Formen individuellen und kooperativen Lernens zu unterstützen und zwar sowohl innerhalb als auch außerhalb der Schule. Dafür muss eine Infrastruktur geschaffen werden, die die durchgängige Verfügbarkeit digitaler Medien ermöglicht, ohne dabei Lernenden und Lehrenden ein hohes Maß an Administrations- und Wartungstätigkeiten abzuverlangen. Im Vordergrund steht somit die Unterstützung lokaler und regionaler kooperativer Lernformen, die im Zeitalter des Internet zugleich die überregionale Erweiterung und Ergänzung einschließt.

Medien sind Bedingungen für geistiges Wachstum. Die Entwicklung und Aneignung von Kulturtechniken wie Lesen, Schreiben, Rechnen, Zeichnen etc. sind für unsere kulturelle Entwicklung unverzichtbar gewesen. Digitale Medien erweitern diese tradierten Techniken um weitere Formen und um neue Formen ihrer Verknüpfung. Die Beherrschung auch dieser neuen Formen und zwar sowohl als Mittel als auch als Gegenstand der Allgemeinbildung ist für unsere zukünftige gesellschaftliche Entwicklung unverzichtbar. Diesen Anforderungen muss Schule heute Rechnung tragen (können).