Mehr als 1200 Jahre Geschichte in Paderborn
Paderborner Land von Sachsen besiedelt
Nach Verleihung der Immunität an die Paderborner Kirche durch Kaiser Ludwig den Frommen im Jahre 822 ist die Übertragung der Gebeine des Heiligen Liborius von Le Mans nach Paderborn als weiterer Meilenstein in der Geschichte der Stadt Paderborn zu begreifen. Damit waren zugleich enge Beziehungen zwischen dem westlichen Teil des Frankenreichs und dem neu hinzu gewonnenen Gebiet an der damals östlichen Grenze des Frankenreichs hergestellt worden. Dies wird unter anderem durch die Bildung einer Schutz- und Gebetsgemeinschaft der beiden Kirchen von Le Mans und Paderborns unterstrichen.
Als Mitglied der Hanse nachgewiesen
Das gestiegene Selbstbewusstsein der Paderborner Bürger führte seit dem ersten Drittel des 13. Jahrhunderts zu Spannungen mit den Paderborner Bischöfen als obersten Herren der Stadt. Diese Situation führte 1275 schließlich zur Verlegung der bischöflichen Residenz nach Neuhaus. Seit 1295 ist die Stadt Paderborn als Mitglied der Hanse nachgewiesen. Im Jahre 1327 ist das Recht zur Mitgliedschaft in dieser Kaufleutegemeinschaft - wie auch die Berechtigung zur freien Ratswahl - der Stadt durch Bischof Bernhard V. formell zugestanden und bestätigt worden.
Nachdem Paderborn im Spätmittelalter zweimal von der Pest heimgesucht worden war, wurde der Eintritt in die Neuzeit schon im Jahre 1506 durch eine weitere Katastrophe verdunkelt. In jenem Jahr waren 300 Häuser einem Großbrand zum Opfer gefallen. Aufruhr und Ausschreitungen bestimmten den Alltag Paderborns im Jahre 1528, als die Reformation in der Stadt ihren Anfang genommen hatte. Die Stadt bzw. ihre Bürgerschaft waren fortan bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts zum größten Teil Anhänger des neuen Glaubensbekenntnisses. Die Hinwendung Paderborner Bürger zum evangelischen Glauben läßt sich unter anderem durch den Fassadenschmuck der Häuser und aus der Entwicklung einzelner Menschen in dieser Zeit belegen. Beispiele dafür sind die Giebelfront des Adam und Eva-Hauses und der 1502 in Paderborn geborene Maler und Kupferstecher Heinrich Aldegrever.
Bürgerschaft und Magistrat mit Gewalt unterworfen
Mit der Berufung des Jesuitenordens nach Paderborn durch das Domkapitel im Jahre 1580 wurde aber ein entscheidender Schritt in Richtung Rekatholisierung der Stadt getan. Verstärkt wurden die Tendenzen der Gegenreformation in Paderborn durch die 1585 erfolgte Wahl Dietrichs von Fürstenberg zum Bischof. Als überzeugter Katholik nutzte Dietrich von Fürstenberg seine lange Amtszeit von 33 Jahren konsequent für die Wiederherstellung des alten Glaubens und der landesherrlichen Gewalt in der Hauptstadt seiner Diözese. Nach langen Jahren der Wirren und Auflehnung gegen den Landesherrn wurden Bürgerschaft und Magistrat 1604 mit Gewalt unterworfen und der Bürgermeister Liborius Wichard hingerichtet. Für die Stadt bedeutete diese Niederlage den Verlust aller städtischer Freiheiten, was der Gegenreformation zum Durchbruch verhalf.
Letzte Protestanten aus der Stadt vertrieben
Während des Dreißigjährigen Krieges war Paderborn wechselnden Besatzungen, Belagerungen und Plünderungen ausgesetzt. Von diesen Heimsuchungen ist besonders die Besatzungszeit durch Truppen des »Tollen Christians« im Jahre 1622 in unguter Erinnerung geblieben. Der Domschatz sowie die Bevölkerung wurden geplündert und der mittelalterliche Liborischrein geraubt und eingeschmolzen. Aus dem so gewonnenen Edelmetall ließ Herzog Christian von Braunschweig-Wolfenbüttel in Soest die sogenannten »Pfaffenfeindthaler« prägen. Während dieser Besatzungszeit wurde Paderborn noch ein Mal für wenige Monate wieder evangelisch. Aufgrund der Ausschreitungen der Soldateska des Welfenherzogs hatte der Protestantismus in der Stadt jedoch den letzten Kredit verspielt. Nach dem Abzug des Braunschweigers wurde der katholische Glauben wieder hergestellt und letzte Protestanten aus der Stadt vertrieben. Eine evangelische Gemeinde bildete sich in Paderborn erst nach dem Anschluß des Fürstbistums an das Königreich Preußen nach dem Jahr 1802 neu.
Nach den verheerenden Folgen des Dreißigjährigen Krieges teilte Paderborn das Schicksal vieler deutscher Städte, es war auf die Bedeutung einer Ackerbürgerstadt herabgesunken. Nachdem die Wunden des Krieges im Verlauf der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wieder verheilt waren, führten wechselnde Besatzungen und Durchzüge fremder Truppen während des Siebenjährigen Krieges zwischen 1756 und 1763 zu einem erneuten wirtschaftlichen Niedergang. Am Ende des 18. Jahrhunderts sollte der Stadt in den Jahren 1795 bis 1798 eine bedeutende Rolle als Aufbewahrungsort der Reichsinsignien der deutschen Kaiser zufallen.
Eintritt der Stadt ins Industriezeitalter
Weitere geschichtsträchtige Daten der Paderborner Geschichte im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren die Gründung der ersten Blindenschule Westfalens durch Pauline von Mallinckrodt, einer Schülerin der Dichterin Luise Hensel, die Inbetriebnahme des Fernsprechbetriebs mit 22 Teilnehmern 1892 und die Eröffnung des Straßenbahnbetriebs im Jahre 1900. Anschluss an das Stromnetz erhielt die Stadt durch die Gründung der Paderborner Elektrizitätswerke Aktien-Gesellschaft (PESAG).
Bereits im Jahre 1946 wurde in der zerstörten Stadt die spätere Pädagogische Hochschule als "Pädagogische Akademie" gegründet. Nachdem der Wiederaufbau 1955 im wesentlichen abgeschlossen war, wurden in den Jahren 1964 bis 1970 die Reste einer karolingischen und einer ottonisch-salischen Kaiserpfalz an den Paderquellen freigelegt. Der Rekonstruktion der salischen Kaiserpfalz ist 1978 abgeschlossen worden.
