Museum für Stadtgeschichte
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Christian Herzog von Braunschweig-Wolfenbüttel

Christian Herzog von Braunschweig-Wolfenbüttel
Der als »toller Christian« in die Geschichte eingegangene Herzog Christian von Braunschweig-Wolfenbüttel war 1599 als jüngerer Sohn des Herzogs Heinrich Julius geboren worden. Bevor der junge Herzog erwachsen war, starb sein Vater früh. Zur Absicherung seiner persönlichen und materiellen Bedürfnisse wurde der 18jährige Herzog zum Administrator des Bistums Halberstadt ernannt. In dieser Tätigkeit zeichnete sich Christian kaum durch besondere Fähigkeiten aus, sondern nur durch eine krankhafte Abneigung gegenüber Katholiken. Schon aus seiner Amtszeit als Verwalter des Bistums Halberstadt führt Christian das Adjektiv »toll« als Beinamen.

Zu tragischer Berühmtheit gelangte der »Halberstädter« jedoch erst, nachdem er sich in die Frau Friedrichs V. von der Pfalz verliebt hatte. Der als böhmischer »Winterkönig« in die Geschichte eingegangene Kurfürst Friedrich V. hatte nach seiner Niederlage gegen die kaiserlichen Truppen am Weißen Berge nicht allein die neu erworbene Königswürde, sondern auch den Hut des Kurfürsten und seine Herrschaft in der Pfalz verloren. Seine aus dem englischen Königshaus der Stuarts stammende ehrgeizige Ehefrau wollte sich jedoch nicht mit diesem Verlust abfinden. Dem Charme der abgesetzten Kurfürstin und Königin erlag als erster Christian von Braunschweig-Wolfenbüttel.
Seinem offenem Bekenntnis zur Kurfürstin entsprechend widmete er ihr kurz darauf seinen Wahlspruch »Tout pour Dieu et pour elle« - »Alles für Gott und für sie« Später wurde dieses Motto auch auf den Fahnen seines Heeres angebracht. Christian schwor, den Kampf nicht eher einstellen zu wollen, bis dass der Kaiser den Pfalzgrafen Friedrich V. in seine Ämter und Würden wieder eingesetzt hatte. Schon im Herbst 1621 konnte der Herzog über 10.000 Söldner und wenige Geschütze verfügen

Am 28. Dezember 1621 überschritt Christian von Braunschweig-Wolfenbüttel erstmals die Grenze des Hochstifts Paderborn bei Warburg. Damit war das Paderborner Land der Willkür des Herzogs und seiner marodierenden Soldateska ausgeliefert. Von den Paderborner Landständen, den Juden und dem Domkapitel wurden hohe Kontributionszahlungen gefordert. Besonderen Nachdruck verlieh Christian seinem Interesse am Geld dadurch, dass er sechs Dörfer und Ortschaften in der näheren Umgebung Paderborns völlig niederbrennen ließ.

Pfaffenfeindtthaler

Kurz darauf, am 31. Januar 1622, hielt der Welfe Einzug in Paderborn und nahm im verlassenen Jesuitenkolleg Quartier. Eine Woche war die Stadt Paderborn nun der Plünderung durch Christians Truppen wehrlos ausgesetzt. Während dieser Schreckenszeit wurde die Stadt ein letztes Mal wieder für kurze Zeit evangelisch. Nicht allein die Entwendung von Werten richtete in Paderborn große Schäden an, sondern in gleichem Ausmaß auch der Vandalismus der undisziplinierten Truppen.

Der Plünderung des Doms fiel neben anderen Pretiosen der erste Liborischrein aus dem Mittelalter zum Opfer. Der Schrein wurde neben anderem geraubten Beutegut nach Soest verbracht. Dort wurden die Schätze eingeschmolzen und zu Dukaten und Talern vermünzt. Aufgrund der Aufschrift »Gottes Freund der Pfaffen Feind« auf der Rückseite der Münzen werden diese Gepräge in der Numismatik heute als »Pfaffenfeindtaler« bezeichnet. Auf der Vorderseite der Taler befindet sich hingegen die Inschrift »Tout avec Dieu 1622«, wodurch ein enger Bezug zum Wahlspruch des Welfenherzogs hergestellt wird. In einigen protestantischen Gebieten führten diese Inschriften auch zur Bezeichnung als »Gottesfreundtaler«.

Nachdem Christian und seine Truppen Paderborn schon im Mai 1622 wieder verlassen hatten, hatte diese kurze Besatzungszeit von drei Monaten ausgereicht, aus dem »tollen Halberstädter« den »tollen Christian« werden zu lassen. Während die erste Bezeichnung die Identität des Fürsten nicht deutlich hervorgehoben hatte, wurde das Wüten Christians im Paderborner Land durch den neuen Beinamen gebrandmarkt. Das Ergebnis der kurzen Herrschaft Christians im Hochstift Paderborn war die Vertreibung und Verfolgung der letzten Protestanten aus der Stadt, nachdem die Stadt nach seinem Abzug von katholischen Truppen besetzt wurde.


Nachdem Christian 1626 mit nur 26 Jahren starb, wurden die verlorenen Reliquien des Hl. Liborius kurz darauf in Lothringen gefunden und in das Bonner Brigittenkloster gebracht. Die Gebeine des Hl. Liborius wurden von den Schwestern wieder nach Paderborn überführt.