Schwerverletzte Frau muss viereinhalb Jahre um Entschädigung kämpfen
125 000 Euro für Unfallopfer
12.11.2008
Von Hubertus Hartmann
Paderborn (WV). Ein schrecklicher Verkehrsunfall hat ein Todesopfer gefordert und das Leben von Tanja D. grundlegend verändert.
Viereinhalb Jahre nach dem traumatisierenden Ereignis sprach ihr das Landgericht Paderborn insgesamt 125 000 Euro Schmerzensgeld und Schadenersatz zu. »Vorgerichtlich hatte die Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers lediglich 15 000 Euro gezahlt«, erläutert der Paderborner Anwalt und Verkehrsrechtsexperte Dr. Andreas Jolmes. »Um eine angemessene Entschädigung mussten wir lange kämpfen.«
Die heute 38-jährige Frau hatte bei dem Unfall als Beifahrerin im Wagen ihres ebenfalls schwer verletzten Ehemannes gesessen. Ein anderer Autofahrer war auf die Gegenfahrbahn geraten und bei dem Frontalzusammenstoß getötete worden. Tanja D. erlitt unter anderem einen Leberriss, eine Gallenverletzung sowie mehrere Wirbelbrüche, die zu einer temporären Querschnittslähmung führten. Mehrere Operationen waren erforderlich, ihr Leben stand auf der Kippe. Ein Dreivierteljahr wurde sie zunächst in der Uni-Klinik Göttingen und später in einer Spezialklinik behandelt. »Über Monate saß meine Mandantin im Rollstuhl, es war unklar, ob sie jemals wieder laufen kann«, so der Anwalt.
Trotz ärztlicher Kunst und eisernen Trainings wird die einst sportliche Frau wahrscheinlich dauerhaft auf Hilfe angewiesen bleiben. Schwimmen, Joggen, Tanzen, Motorradfahren - all das geht nicht mehr. Auch beruflich musste sie zurückstecken. Tanja D. leidet heute noch unter chronischen Schmerzen, es bestehen neurologische Probleme, und die Klägerin hat - neben zahlreichen Narben - ein erhöhtes Thromboserisiko. Das Versorgungsamt Bielefeld hat ihr eine 50-prozentige Behinderung zuerkannt. Befristet bis zunächst 2011, erhält sie eine monatliche Erwerbsminderungsrente von 820 Euro.
Das Schmerzensgeld bezifferte das Gericht auf 100 000 Euro. Zudem muss die Versicherung alle künftigen Schäden, wie Verdienstausfall, ersetzen.
»Ohne dass wir geklagt hätten, wäre meine Mandantin von der Versicherung mit einer geringen Entschädigung abgespeist worden«, ist Dr. Jolmes überzeugt.
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