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Der Lebenssaft wird langsam knapp

Nur drei Prozent der Bevölkerung spenden ihr Blut für Unfallopfer und Operationen

05.11.2008

Von Rüdiger Kache (Text)
und Wolfram Brucks (Fotos)

Paderborn (WV). Wenn ein schwer verletztes Verkehrsunfallopfer auf dem OP-Tisch liegt, muss das Operationsteam nicht selten 30 bis 40 Blutkonserven verabreichen. So viel, wie bei einem kleinen Blutspendetermin zusammenkommen. Und weil Blut in den Krankenhäusern immer knapper wird, appellieren die Ärzte an die Solidarität der Paderborner.

Blut ist ein ganz besonderer Lebenssaft, ohne den auch die moderne Medizin nicht auskommt. Und weil die Zahl der Operationen ebenso steigt wie das Lebensalter der Menschen, müssen immer mehr Spender geworben werden, um das Defizit auszugleichen. »Wir haben eine Hochleistungsmedizin, aber leider keine Hochleistungsspendenbereitschaft«, hofft Dr. Wolfgang Engel, ärztlicher Leiter des Zentrums für Trasfusionsmedizin Ostwestfalen-Lippe beim DRK-Blutspendedienst West, auf eben diese Solidargemeinschaft. »Jeder erwartet, im Notfall mit ausreichend Blutkonserven versorgt zu werden, aber nur im Schnitt drei von 100 Bürgern spenden selbst.«
Das sei eindeutig zu wenig, um bereits jetzt erkennbare Engpässe zu bewältigen, betont Dr. Josef Düllings, Hauptgeschäftsführer des Paderborner St. Vincenz-Krankenhauses. Und schon für die kommenden Jahre prognostizieren Experten, wie der Greifswalder Transfusionsmediziner Andreas Greinacher, in einigen Bundesländern einen Fehlbedarf von bis zu 35 Prozent. Um langfristig wieder stabile Verhältnisse zu schaffen, müssen im Schnitt sechs Prozent der Bevölkerung Blut spenden.

Für eine große Tumoroperation werden zwischen acht und 14 Konserven eingeplant. Allein auf die Behandlung der Tumor- und Leukämieerkrankten entfallen 40 Prozent der vorhandenen Konserven, weiß Dr. Gisela Wiethoff, Transfusionsverantwortliche am St. Vincenz-Krankenhaus. »Uns ist es besonders wichtig, Erstspender im Alter zwischen 20 und 45 zu gewinnen und zu halten.« Nur jeder zweite Erstspender bleibt nämlich dem DRK auf Dauer treu. Ärztlicher Direktor Dr. Wolfgang Krings: »Eine wirklich gefährliche Unterversorgung hat es in unserer Region noch nicht gegeben, aber auch wir mussten schon nicht so dringende Operationen verschieben.«

Paderborns Landrat Manfred Müller unterstützt den Aufruf der Mediziner, dass sich mehr Mitbürger Blut abzapfen lassen. »Man kann unsere Bevölkerung motivieren, wie die hohe Beteiligung an den DKMS-Aufrufen beweisen. »Es muss nur ständig neu aufgeklärt und das Bewusstsein dafür geschärft werden«, glaubt Müller an die Vorbildfunktion der Krankenhäuser für gezielte Blutspendeaktionen.
Im Kreis Paderborn spenden 27 000 Menschen jährlich ihr Blut. Bis zu 50 Konserven werden statistisch gesehen allerdings auch täglich in den heimischen Krankenhäusern gebraucht. Kreisverwaltung, Polizei und Schulen geben gute Beispiele und beteiligen sich an Sonder-Blutspendeaktionen. Das DRK bekommt für jede Konserve 80 (ab Januar 81) Euro. »Spendern dürfen wir allerdings kein Geld für ihr Blut bezahlen, das ist per Gesetz verboten«, betont. Dr. Wolfgang Engel.

Der nächste Notfall-Blutspendetermin ist morgen, Donnerstag, 6. November, 11 bis 17 Uhr im St. Vincenz-Krankenhaus (Haus 1).

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