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Zufahrt zur Tiefgarage durch den Barockkeller

Archäologen ergraben Reste des Gaukirchklosters

04.11.2008

Von Manfred Stienecke (Text)
und Wolfram Brucks (Foto)

Paderborn (WV). Besucher der Kammerspiele und Kunden der Volksbank werden künftig mit ihrem Pkw direkt durch einen barocken Gewölbekeller in die Tiefgarage fahren.

Rund ein Dutzend Grabungshelfer schürfen derzeit an der »Krummen Grube« in einem drei Meter tiefen Erdloch nach den Überresten des ehemaligen Gaukirch-Klosters. Freigelegt haben sie seit August die barocken Fundamente und Kellermauern aus dem 18. Jahrhundert sowie Reste der Kloster-Vorgängerbauten aus dem 13. und 15. Jahrhundert.
»Wir haben es hier mit mehreren Bauphasen zu tun«, erläutert Stadtarchäologe Dr. Sven Spiong (42). »Die Raumaufteilung ist im Verlaufe der Jahrhunderte mehrfach verändert worden.« Im 13. Jahrhundert waren es zunächst Zisterzienserinnen, die an dieser Stelle ein Kloster errichteten. Im 15. Jahrhundert wurde es von Benediktinerinnen übernommen.

Seine barocke Gestalt erhielt das Gaukirch-Kloster 1742. Nach der Aufgabe des Klosters 1810 wurde das Gebäude als Armenhaus und Altenheim genutzt, im 20. Jahrhundert zog die Stadtverwaltung hier ein. Die barocken Gewölbekeller sollen in der Nazizeit der Geheimen Staatspolizei als Kerker- und Verhörräume gedient haben, bevor das Gebäude 1945 von Fliegerbomben zerstört und nach dem Krieg nicht mehr aufgebaut wurde.

»Der genaue Grundriss des Klosters ist derzeit noch unklar«, fasst Grabungsleiter Christoph Schilz (42) die bisher gewonnenen Erkenntnisse zusammen. Bis Ende dieses Monats werde man aber noch weiter forschen und möglicherweise auch da Klarheit gewinnen. Die schwarze Verfärbung des barocken Steinfußbodens ist nach Expertenmeinung auf die spätere Nutzung als Kohlenkeller zurückzuführen.

Die Buddelei der Ausgräber beschränkt sich weitgehend auf die Sichtung und Dokumentation der baulichen Befunde, die sich im Keller des ehemaligen Klosters noch machen lassen. Dass man dabei auch auf historische Ausstattungsgegenstände stößt, ist allerdings sehr unwahrscheinlich. »Wir graben hier in zugeschütteten Kellern. Da ist außer ein paar Scherben kaum etwas zu erwarten«, so Spiong.

Dafür hofft der Paderborner Stadtarchäologe auf neue Erkenntnisse, was den exakten Verlauf der mittelalterlichen Domimmunitäts-Mauer angeht. »Im Südverlauf können wir sie fast metergenau rekonstruieren«, verweist Spiong auf die Nachbarschaft am Kötterhagen. Die bis zu 2,60 Meter breite Mauer stehe genau auf der Felskante zu dem Steinbruch, der hier im Mittelalter zum Aufbau der Stadt betrieben wurde.
Auf den Grundmauern des Gaukirchklosters will die St.-Liborius-Pfarrei im nächsten Jahr ihr Pfarrgemeindehaus errichten, das zwar nicht die Anmutung, aber durchaus die Konturen des Ursprungsbaus aufnehmen soll. Durch das barocke Mauerwerk wird dann auch der Verkehr von und zur innerstädtischen Tiefgarage fließen. »Wir kämpfen nicht um jeden Keller«, betont Spiong. »Uns ist wichtig, dass man die Substanz erhält und die Stadtgeschichte sichtbar macht. Da geht man auch Kompromisse ein.«

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